Brachytherapie

Description

Die Oberflächen-Brachytherapie

 

Bei der Bestrahlung oberflächlicher Tumore wird in den meisten Fällen eine Vorrichtung oder ein Applikator für die Behandlung auf der entsprechenden Körperregion individuell angepasst und fixiert. Direkt nach der Behandlung wird diese Vorrichtung wieder entfernt und bei etwaigen weiteren Sitzungen bereitgehalten. Die Strahlenquelle wird innerhalb des Applikators direkt an den Tumor herangeführt. Die Behandlung dauert wenige Minuten und kann ambulant durchgeführt werden.

Die Ruthenium-106 Kalotte

Diese hochspezialisierte und individuelle Brachytherapie mit Ruthenium-106 Kalotten wird zur Behandlung von Aderhautmelanomen des Auges verwendet. Ein entscheidendes Kriterium für die Indikationsstellung ist die Tiefenausdehnung des Tumors, sodass bis zu einer Tumormanifestation von ca. 6,0 mm eine Behandlung möglich ist.

Die Anwendung dieser Technik erfolgt in enger Kooperation mit der Augenklinik der UMG.

Während eines operativen Eingriffs durch die Kollegen der Augenklinik wird ein geeigneter Applikator von außen auf den Augapfel über der Tumorregion innerhalb der Orbitahöhle angebracht. Die Behandlungsdauer und somit die Verweildauer der Kalotte hängt von vielfältigen Faktoren ab, die individuell bestimmt und geprüft werden. Üblicherweise verbleiben diese Applikatoren fünf bis sieben Tagen vor Ort und werden dann in einem erneuten operativem Eingriff wieder entfernt.

Während der Dauer der Behandlung ist eine stationäre Aufnahme auf unserer Station erforderlich.

Intrakavitäre/intraluminale Brachytherapie

 

Bei der Behandlung bestimmter Tumoren kann die Lage der Tumore im Bereich von Körperhöhlen oder Hohlorganen genutzt werden, um vor Ort im Körper eine Brachytherapie durchzuführen. Hierzu wird ein geeigneter Applikator durch bestehende Körperöffnungen in die entsprechende Körperhöhle eingeführt, z.B. in die Scheide bei Gebärmutterkrebs, in die Gebärmutter und die Scheide bei Gebärmutterhalskrebs, in die Speiseröhre bei Speiseröhrenkrebs oder auch in die Luftwege bei Lungenkrebs. In diesen Applikator wird dann die Bestrahlungsquelle an den Behandlungsort geführt.

Die Einbringung der Applikatoren erfolgt bei der Behandlung gynäkologischer Tumore in enger Kooperation mit der Abteilung der Gynäkologie der UMG. Bei der Behandlung eines Gebärmuttertumors ist in den allermeisten Fällen keine Narkose oder Sedierung erforderlich und die Behandlung kann ambulant durchgeführt werden. Bei der Therapie von Gebärmutterhalstumoren ist für die Einbringung des Applikators in aller Regel eine kurze Narkose erforderlich und somit auch eine kurzzeitige stationäre Überwachung auf unserer Station.

Bei der Behandlung von Lungentumoren erfolgt die Einbringung des Applikators in Zusammenarbeit mit der Lungenfachklinik Lenglern des evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende, im Rahmen der intensiven Kooperation im Lungentumorzentrums Göttingen-Immenhausen-Weende. Zur präzisen Durchführung der Behandlung ist eine Sedierung erforderlich. Im Rahmen der Behandlung ist eine kurzfristige stationäre Überwachung auf einer Station der Lungenfachklinik Lenglern erforderlich.

Bei der Behandlung von Speiseröhrentumoren wird der Applikator unter Röntgenkontrolle an den Behandlungsort geführt. Hierzu ist in aller Regel eine lokale Betäubung erforderlich. Im Rahmen der Behandlung ist eine kurzfristige stationäre Überwachung auf unserer Station erforderlich.

Die eigentliche strahlentherapeutische Behandlung mit der Strahlenquelle dauert nur wenige Minuten. In Abhängigkeit der Lage des Tumors, der besonderen Technik und einer etwaigen Narkose ist die Gesamtbehandlungszeit individuell verschieden.

 

 

 

 

Interstitielle Brachytherapie

Bei der interstitiellen Brachytherapie wird im Gegensatz zu den oben genannten Techniken, die Strahlenquelle mittels Applikatoren direkt in das Tumorgewebe eingebracht. Diese Form der Brachytherapie ist eine besondere Spezialisierung unserer Klink, welche weit über die bekannten Anwendungen in der Behandlung des Prostatakarzinoms hinaus auch in anderen Körperregionen und anderen Tumorerkrankungen eingesetzt wird. Im Rahmen der interstitiellen Brachythereapie gibt es zum einen die Möglichkeit einer permanenten Implantation von kleinsten Strahlenquellen in ein Organ. Dieses Verfahren wird häufig in der nicht-operativen Behandlung des frühen Prostatakarzinoms angewendet (sogenannte Seed-Applikation).

 

 

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer temporären Einbringung der Bestrahlungsquellen. Bei diesem Verfahren werden nach erfolgter Therapie die Applikatoren, sowie die Bestrahlungsquellen wieder aus dem Körper entfernt.

 

Das Behandlungsspektrum umfasst prinzipiell sämtliche malignen Erkrankungen, wobei in unserer Abteilung hauptsächlich Tumore der Prostata, der HNO-Region, der weiblichen Geschlechtsorgane, der Speiseröhre, der Luftröhre, und der Weichteilgewebe behandelt werden. Die Behandlung kann als Einzeltherapie, in Kombination mit einer perkutanen Bestrahlung und in einer sogenannten Salvage-Therapie nach multimodalen Vorbehandlungen (einschließlich Bestrahlungen der gleichen Region im Vorfeld) durchgeführt werden. Des Weiteren bestehen die Indikationen für eine brachytherapeutische Behandlung sowohl in der kurativen als auch besonders in der palliativen Behandlungssituation. Das Behandlungsschema, die Anzahl und Dosierungen der Behandlungen werden entsprechend der Gesamtsituation geplant und durchgeführt. Wesentliche Faktoren für diese Beurteilung sind die Art des Tumors, die Größe des Tumors, die Ausdehnung der Erkrankung, der Umfang der ggf. vorab erfolgten Therapien und der Allgemeinzustand des Patienten.

Insgesamt erfordern die Behandlungen der LDR- oder HDR-Brachytherapie eine Narkose, da die für die Bestrahlung erforderlichen Applikatoren auf direktem Weg von außen in den Tumor geführt werden. Dies geschieht unter bildgebungsgestützeter Kontrolle mittels CT oder Sonographie.

Nach Bestätigung der korrekten Lage des Applikators und abgeschlossener individueller Planung der Therapie werden die Applikatoren an die Brachytherapieeinheit angeschlossen. An einem Führungsdraht wird die Strahlenquelle aus dem Tresor in der Therapieeinheit durch die Transferschäuche in die Hohlnadeln geführt. Nacheinander werden alle Applikatoren angesteuert.

Eine stationäre Überwachung auf unserer Station ist im Rahmen dieser Behandlungen erforderlich und hängt in der Dauer von der Art des Eingriffs ab, sowie der Anzahl der geplanten Behandlungssitzungen.